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«Die Schweiz und Moto Guzzi passen perfekt zusammen»

Muentener Guzzi 2 WebSeit 2012 weht bei Moto Guzzi in der Schweiz ein frischer Wind. Der Absatz hat sich vervielfacht, der legendäre Name ist wieder in aller Munde.

Roland Müntener: Ja, es ist eindeutig, aus dem lauen Lüftchen ist ein sympathisch zügiger Wind geworden. Die Schweiz hat lange auf Moto Guzzi gewartet. Oder anders gesagt: Unser Markt ist bereit für Moto Guzzi, nur weiss er noch nicht bis ins letzte Detail von seinem Glück.

Warum passt diese Verbindung Schweiz und Moto Guzzi?

Ganz einfach. Die nationale Entwicklung des Individualverkehrs passt perfekt zu Moto Guzzi, insbesondere was die Sicherheits- und Verkehrspolitik anbetrifft. Auch die gestiegene Lust des modernen Motorradfahrers am ‚Genuss-Fahren‘ und einer möglichst individuell geprägten Identität kommt uns klar entgegen.

Also stehen möglichst viele PS und Fahrleistungen weniger im Vordergrund?

Es ist vielmehr das Gegenteil. Etwas böse könnte man sagen – Moto Guzzi ist heute schon beinahe bfu-tauglich. Ohne den geringsten Hauch von übertriebener Sportlichkeit, störenden Lärmemissionen oder gar gefährlichen Attributen.

V7 Special WebV7 Racer WebV7 Trio hinten WebDazu verfügt Moto Guzzi über einen klingenden Namen, der weit über Insiderkreise hinaus und sogar selbst bei Nichtmotorradfahrern bekannt ist.

Absolut korrekt. Wenn man auf der Strasse zehn Personen befragt, haben sicher neun davon den Namen Moto Guzzi schon mal gehört. Sie haben vielleicht in ihrem ganzen Leben noch nie mit Moto Guzzi zu tun gehabt, aber die Marke ist ihnen ein Begriff. Es ist unglaublich, wie bekannt der Name ist, und wie positiv er bewertet wird.

Das erleichtert die Verkaufsstrategie ungemein ...?

Vielleicht nicht gerade ungemein, aber…. Jedenfalls müssen wir die Marke niemandem mehr erklären. Was wir dem Markt aufzeigen müssen, ist welche Modelle dieser Brand heute anzubieten hat.

Noch immer hängt Moto Guzzi der leicht verstaubte, antiquierte Mantel aus der Vergangenheit an, ähnlich wie BMW insbesondere von der älteren Generation immer noch oft mit der «Gummikuh»-Etikette versehen wird.

Piaggio hat seit der Übernahme und speziell ab 2008 viel Geld in die Hand genommen, um es Moto Guzzi zu ermöglichen, technisch moderne, interessante und marktgerechte Modelle zu bauen. Dazu gehören ABS, Vierventiltechnik, Traktionskontrolle, Tempomat, frei wählbare unterschiedliche Fahrmodi und vieles andere mehr. Vom Charakter her sind aber ausnahmslos alle Modelle immer noch unverwechselbare und klassische Moto Guzzi.

Jetzt liegt es am Importeur diese Realität im Markt bekannt zu machen.

Richtig. Man muss sich angesichts unserer Marktanteile und den zu erwartenden Verkäufen natürlich im Klaren sein, dass uns für diese Marketingmassnahmen nicht unbegrenzte Mittel zur Verfügung stehen. Mit TV-Spots und Ähnlichem wäre es einfach, das der Neuzeit angepasste, historisch-klassische Image von Moto Guzzi einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Aber solche Kampagnen kosten sehr viel Geld – noch zu viel für uns.

Aber Moto Guzzi hat dennoch alles, was heute gefragt ist.

Jede Menge Individualität, History und Italianità, kombiniert mit Nostalgie- und Retro-Charakter. Das Ganze gepaart mit modernster Technologie.

California Custom WebCalifornia Touring Ambassador WebStelvio 1200 8V NTX WebGuzzi Motor WebEine Marke aus Übersee mit teilweise ähnlicher Zielgruppe liegt aber absatzmässig um ein Vielfaches oberhalb von Moto Guzzi...

Aus meiner Sicht ist Moto Guzzi technisch mindestens einen Schritt weiter als die Produkte aus Amerika. Aber kaum ein anderer Hersteller dieser Welt hat das Marketing besser im Griff als die Jungs aus Milwaukee. Die würden es sogar schaffen, dem Papst ein Doppelbett zu verkaufen...

... aber sie verkaufen Motorräder.

So ist es.

Müssen die Italiener also auch gemäss amerikanischem Vorbild eine Art «Moto Guzzi-Family» ins Leben rufen, mit unzähligen Treffen bis hin zur Töffsegnung vor der Kirche?

Ein klares Ja zu einer Moto Guzzi-Family, aber nicht auf McDonalds-Niveau. Natürlich wollen wir ein Image kreieren, aber ein eigenes. Eines für Leute mit etwas anderem Anspruch.

Wer ist denn in diesem Sinn der typische Moto Guzzi-Fahrer?

Individualisten und Leute, die sich gerne etwas von der Allgemeinheit abheben, die vielleicht etwas speziell sind und das Leben geniessen wollen. Leute, die einen guten Kaffee, ein gutes Stück Fleisch oder einen erlesenen Wein schätzen und bei denen die Spaghetti wirklich al dente sein müssen. Und die weder Blender noch Bluffer sein wollen, die auch ohne grosse Tattoos und überdimensionierte Adler auf dem Jacket durch die Strassen spazieren können. Zusammengefasst: Guzzisti legen weniger Wert auf Show, sondern eher auf einen gepflegten Lebensstil, auf Klasse.

Die Aufgabe des Importeurs ist es nun, dieses Image in der Öffentlichkeit zu verbreiten.

Ja. Als wir vor zwei Jahren Moto Guzzi übernommen haben, war die Marke eigentlich am Boden. Tiefer hätte sie kaum noch sinken können. 2010 wurden nur 82 Fahrzeuge neu in Betrieb gesetzt und es gab praktisch kein funktionierendes Händlernetz mehr.

Da hat sich nun einiges getan.

2013 haben wir die Verkäufe im Vergleich zu 2010 fast vervierfacht, auf klar über 300 Stück und wir haben das Händlernetz qualitativ und quantitativ stark verbessert.

Aber jetzt geht die Arbeit erst richtig los.

Auf jeden Fall. Wir müssen dem Markt noch mehr aufzeigen, dass Moto Guzzi-Motorräder für viele eine interessante Alternative ist, zumindest sein könnte.

Was wird im Detail gemacht?

Wir haben diese Website www.guzzimoto.ch komplett neu aufgebaut und attraktiver gemacht. Es werden regelmässig News aufgeschaltet, es sind viele sehenswerte Fotos und auch Filme aufgeschaltet. Es kann direkt mit den Händlern Kontakt aufgenommen und intensiv in der Moto-Guzzi-Welt herumgeschnuppert werden. An verschiedenen Anlässen werden unsere Produkte zu sehen sein.

Doch das Wichtigste sind die Motorräder. Was dürfen wir in Zukunft zu erwarten?

Ganz sicher werden ab 2015 sämtliche Moto Guzzi-Modelle mit ABS ausgestattet sein. Allein schon wegen der gesetzlichen Vorgaben, die ABS bei Neufahrzeugen über 125 ccm innerhalb der EU ab 2016 zwingend vorschreibt. Alle Guzzi-Modelle ohne ABS werden ersetzt oder aufgerüstet. Wir dürfen für 2015 auch neue Modelle irgendwo zwischen 1000 und 1400 ccm Hubraum erwarten. Und natürlich werden alle drei V7-Modelle ABS haben. Eventuell kommt am unteren Ende der Modellpalette noch etwas Neues hinzu. Die wirtschaftliche Situation innerhalb der westlichen Welt verlangt nach kostengünstigen Fahrzeugen. Für die solventere Schweizer Kundschaft hingegen sind, wie die beiden letzten Jahre gezeigt haben, Modelle ab 1000 Kubik speziell reizvoll.

Muentener Guzzi 1 WebSchweizer Frauen und Männer kaufen bekanntermassen stark image-orientiert, wie man bei Uhren, Autos und auch Motorrädern immer wieder feststellt. Ein Vorteil für Moto Guzzi‘s einprägsamen Namen?

Klar ... Guzzi tönt ja fast wie Gucci... Wie schon gesagt: Neunzig Prozent der Schweizer kennen den Brand, auch wenn bisher nur wenige je eine Moto Guzzi besessen haben. Es geht also nicht darum, die Marke bekannt zu machen, sondern zu zeigen, welch attraktive, modische und technisch topaktuelle Produkte heute diesen Label verkörpern. Und wie perfekt diese Modelle zu Frauen und Männer mit einem gepflegten und genussvollen Lebensstil passen. Oder anders gesagt: Es muss nicht unbedingt der teuerste Wein sein, sondern der Passende.

Interview: Markus Lehner